XX Y X: soundsongnoisesilence


Dienstag, 3. Mai 2022 · 20:00 Uhr

 

Karø Goldt — hortus (D/US 2021 | 5:45 min | HD 16:9)
Annja Krautgasser — Talszenen (A 2022 | 28:50 min | HD 16:9)
Michaela Schwentner — Personne (A 2016, 9:40 min, HD 16:9)
Tatiana Lecomte — Ein mörderischer Lärm (A/F 2015, 21 min, HD 16:9, fr/de UT)
Karø Goldt — silence (D 2012 | 4 min | HD 16:9)

 

 

Karø Goldt: hortus
DE / USA 2021, 6 min. Music: Timothy Shearer
This experimental photofilm is on agriculture and how we treat our environmental nature. In 2014 I started to photograph the patches of my medical herbs throughout the whole year, I was interested in how the plants changes their shapes and colours. Further I reduced the photos in the pure color means, let them move in a classic spectrometer analysis grid. The second part starts with the plan of the garden of St. Gallen and goes on with the idea of what it might look like if, after the destruction of the environment, a scientific study were made of the last evidence of a garden. hortus means it is a demarcated garden that is ideally planted and cared for. It is a piece of cultivated nature and should represent the regulated and best possible form of the entire flora. An artificial act of imagining the garden of Eden at a given time. (Karø Goldt)
http://karoegoldt.de

Annja Krautgasser: Talszenen
Es ist eine Art der „Bestandsaufnahme” einer Welt im Tal. In den Bergen, über karge Steinlandschaften, unter Tieren, an mäandernden Bächen entlang setzt sie ihren sanften Gang, ein geisterhaftes und nomadisches Umherstreifen durch eine friedvolle, puristische Natur, sich selbst genügend, ohne Zeichen menschlicher Zivilisation. Die Kamera folgt ihr, der Diala, dem übermenschlichen Wesen behutsam mit außerordentlicher Poesie.
Annja Krautgasser erzählt – basierend auf dem rätoromanischen Lied Canzun de Sontga Margriata (7 Jh. n. Chr.) – die heidnische Legende der Heiligen Margriata, die als Mann verkleidet sieben Jahre lang unerkannt unter Sennern in den Bergen lebt, bis ein Hirtenjunge zufällig ihr Geheimnis entdeckt und sie verraten möchte. Margriata bedrängt ihn mit zauberhaften Geschenken, die er wiederholt ausschlägt. Seiner Begierde zum Verrat nicht widerstehend könnend, verflucht Margriata den Hirtenbub schließlich und flieht aus dem paradiesischen Tal, das von nun an verödet und vertrocknet. (Barbara Horvath)
https://www.annjakrautgasser.net

Michaela Schwentner: Personne
personne ist eine filmische Miniatur über Seherfahrungen von Filmfiguren und des Publikums. Die Erzählstruktur des kurzen Filmes über das Schauen, den Blick, das Beobachten und Beobachtet-werden formt sich aus vagen Momenten, in denen die Grenzen von Realität und Illusion verschoben und in Frage gestellt werden.
Der Film ist eine Konstellation von Figuren und Blicken, mittels derer der Akt des Schauens weitergedacht und kammerspielartig verdichtet inszeniert wird.
Wenige, sehr reduzierte Aktionen verharren in langen, tableau-artigen Einstellungen.
Was sehen wir, wenn wir schauen? Was sehen wir, wenn wir beobachten?
Was erfahren, was wissen wir, wenn wir sehen/schauen? Was erfahren wir?
Wieviel wissen wir? Können wir uns sicher sein in unserer Wahrnehmung, die ja nur ein Teilaspekt der Wirklichkeit ist? Wir sehen ja immer nur Fragmente.
http://www.jade-enterprises.at

Tatiana Lecomte: Ein mörderischer Lärm
Wie erinnern? Jean-Jacques Boijentin, 1920 in der Nähe von Rouen im Norden Frankreichs geboren, war 1944/45 Gefangener des Konzentrationslagers Gusen in Oberösterreich, eines Nebenlagers des KZ Mauthausen. Die Häftlinge wurden zur Anlage von Stollen für ein unterirdisches Flugzeugwerk eingesetzt. Sie mussten unter entsetzlichen Verhältnissen leben und arbeiten, an einem der grausamsten Orte im Rahmen der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie.
Schwere Maschinen kamen zum Einsatz; Lärm und Staub prägten diesen Ort, Menschen wurden geschlagen und ermordet. Die Stille der heute zugänglichen Stollen gibt davon keinen Eindruck. Auch ein Film kann das nicht. Tatiana Lecomte widmet sich den Ereignissen, indem sie sich einem Menschen nähert, der das alles erlebt hat. Ein herkömmliches Erzählen findet nicht statt, vielmehr begegnet der Zeitzeuge einem jungen Mann und seinen technischen Fähigkeiten. Eine Aufgabe ist zu meistern. Der nüchterne Zugang verändert die Koordinaten und spiegelt das Prozesshafte von Erinnerung. Das Ungeheuerliche tritt beiläufig auf, und umso eindringlicher. (Rolf Wienkötter)
http://tatianalecomte.com