Ablinger: Against Nature / Instrument & Voice / A.W. – Memorial


Donnerstag, 11. Juni 2026 · 20:00 Uhr

 

Peter Ablinger: Wider die Natur / Against Nature (2020)
für Glissandoflöte, Ultrasonicflöte, tiefe Flaschen, Bird Calls und Zuspielung

Peter Ablinger: „Alles begann mit einer Ablehnung. Der Flötist Erik Drescher stellte Ende 2019 einen Antrag für eine Kooperation mit mir. Ursprünglich war eine Art Fortsetzung unserer gemeinsamen CD „Augmented Studies“ aus dem Jahr 2014 geplant, insbesondere als Erweiterung der mehrspurigen Stücke für (damals) 16 bzw. 22 Flöten. Die Ablehnung kam im Februar 2020 – und dann kam Corona. Plötzlich hatten wir beide keine Termine mehr, und so beschlossen wir, unser Projekt dennoch zu beginnen – selbstverständlich ohne Finanzierung. Anfang Mai nahm meine Frau Siegrid Ablinger während eines Ausflugs nach Brandenburg Klänge an einem Unkenteich auf. Diese Unken wurden zum Ausgangspunkt für das gesamte Stück und dienten zunächst auch als Arbeitstitel. Sowohl die klanglich-rhythmische Artikulation als auch die „Heterophonie“ („Ähnliches, gleichzeitig“) entwickelten sich zum strukturellen Generator für alles Weitere.“ Im Juni und Juli trafen sich Ablinger und Drescher täglich – außer sonntags – über einen Zeitraum von sechs Wochen hinweg jeweils
vier bis acht Stunden, um zu forschen, zu sprechen, zu improvisieren, zu notieren und aufzunehmen. So entstand ein 53-minütiges „al fresco“-Werk mit bis zu 74 Flötenspuren. Vom Piccolo über Glissandoflöte bis hin zur Bassflöte sowie – für extreme Lagen – tief gestimmte Flaschen und eine „Ultrasonicflöte“, bestehend aus sehr hohen Orgelpfeifen, die optisch an eine Panflöte erinnert: Auf diese Weise wurde ein Tonumfang erreicht, der über den eines Orchesters hinausgeht.

Erik Drescher ist Flötist, Performer und Kurator und lebt in Berlin. Sein Schwerpunkt liegt in der zeitgenossischen Musik. Neben einer sehr aktiven internationalen Karriere als Solist trat er in vielen Ensembles fur zeitgenossische Musik auf. Er hat eine enorme Anzahl neuer Stucke uraufgefuhrt, von denen die meisten auch von ihm in Auftrag gegeben wurden. Ein besonderer Fokus in den letzten Jahren war seine Arbeit rund um die Glissando- Flote, eine normale C-Flote mit einem Mundstuck von variabler Lange, das das Standardmundstuck ersetzt. Drescher ist Herausgeber der Glissando Flute Collection Erik Drescher beim Verlag Neue Musik Berlin, einer Sammlung von Werken, die fur dieses Instrument komponiert wurden.CD und Schallplattenproduktionen bei KAIROS, Wergo, Mode Records, Edition Wandelweiser Records, World Edition, Stradivarius, NEOS, GOD Records. Mitbegründer des Acker Stadt Palast Berlin und bis 2015 dessen Musikkurator. www.erikdrescher.de

 

Peter Ablinger: Instrument & Voice (2007-2013)
„Instruments & Voice“ vergleicht das System ‚Musik‘ mit dem System ‚Sprache‘. Dabei wird Musik so behandelt, als sei sie tatsächlich ein der Sprache analoges Zeichensystem. Ob sie das aber wirklich ist, ist die eigentliche (über die kleine Studie hinausreichende) Frage.

Peter Ablinger: A.W – Memorial (2019) – für Es-Klarinette und Radio
Das Stück ist Teil der fortlaufenden Reihe Weiss/Weisslich, in deren Rahmen zwei voneinander getrennte Zyklen existieren – einer für Instrumente und einer für Geräusch. A.W – in Memorial trägt dabei die Bezeichnung Weiss/Weisslich 17.

Nava Hemyari studierte Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Wolfgang Suppan und Karlheinz Essl. Ihre Werke wurden an Orten wie dem Musikverein, dem Wiener Konzerthaus, dem ORF RadioKulturhaus, der Hofburgkapelle und der Minoritenkirche Krems sowie von Ensembles wie PHACE, Company of Music, Black Page Orchestra und dem Ensemble Platypus aufgeführt. Sie hat in Festiveln wie Manifeste (Ircam) und Mixtur Barcelona teilgenommen. Ihre Werke wurden beim Festival musikprotokoll gespielt und mehrfach im Rahmen von Wien Modern präsentiert. Im Jahr 2023 war sie Composer in Residence des Festivals Imago Dei. 2022 erhielt sie das Arbeitsstipendium der Stadt Wien für ihre Kammeroper „Taxidermic“, 2023 das Staatsstipendium für Komposition des Bundeskanzleramts Österreich. Als Sängerin ihrer eigenen Ensembles – das punctum collective für zeitgenössische Musik und das Luxbrumalis Ensemble für Renaissance- und Frühbarock-Repertoire – hat sie zahlreiche Werke für Stimme und Chor komponiert.
Zudem führt sie eine Interviewreihe mit Komponist:innen und Interpret:innen zeitgenössischer Musik, darunter Gespräche mit Komponist:innen wie Francesco Filidei, Carola Bauckholt und Karlheinz Essl sowie mit Interpret:innen wie Sarah Maria Sun und Wolfgang Kogert.

Jake Mann ist ein US-amerikanischer Klarinettist und Improvisator, der in Wien lebt und an der Universität für Musik und darstellende Kunst den Master für Neue Musik studiert. Der Fokus seiner künstlerischen Arbeit liegt auf zeitgenössischer und experimenteller Musik sowie dem Erkunden neuer improvisatorischer Möglichkeiten. Er ist stets auf der Suche nach neuen Spieltechniken und ausgefallenen Multiphonics, um die subtilen Fein- und Eigenheiten des Klarinettenklangs herauszuarbeiten und in unterschiedliche Kontexte zu stellen.