Klangmanifeste 2024: More than networks


Freitag, 12. April bis Freitag, 19. April 2024 · diverse Uhrzeiten

 

© Mucho Pitchu

TAG I – 12. April 2024, 18:00 Uhr
Eröffnung Ausstellung Knotenpunkte
19:30 Uhr: Performance | Klaus Erika Dietl, Mucho Pitchu & Stephanie Müller, The Small & the Many
Performance | Rundfunkorchestra

TAG II – 13. April 2024, 14:00 – 18:00 Uhr
Workshop | Ralf Schreiber & Pablo Torres Gómez, Singende Seismographen
Ausstellung Knotenpunkte

TAG III – 17. April 2024, 18:00 Uhr
Führung durch die Ausstellung Knotenpunkte
19:30 Uhr: Performance | Thomas Grill & Ivar Roban Križić, Digital Doppelgänger & Dirty spaces – Entangling

TAG IV – 19.April 2024, 14:00 – 18:00 Uhr
Labor-Workshop | The Sound of Paella
Ausstellung Knotenpunkte
19:30 Uhr: Art & Philosophy Speed Dating & Lecture Performances |
Artemi-Maria Gioti & Peter Brandlmayr, KI & Pataphysik
Konzert-Dinner | Oliver Deutsch, Ulla Rauter und Stefan Voglsinger, The Sound of Paella

Ausstellung Knotenpunkte:
Klaus Erika Dietl, Stephanie Müller & Mucho Pitchu | Pablo Torres Gómez | Marina Poleukhina | Rundfunkorchestra | Ralf Schreiber | Alexander Till & Thomas Nagl

kuratiert von: Veronika Mayer, Ulla Rauter, Christine Schörkhuber & Stefan Voglsinger

 

© Konrad Behr

Das Festival Klangmanifeste ist seit 2010 im Bereich der Klangkunst an der Schnittstelle von Medienkunst, bildender Kunst und zeitgenössischer Musik aktiv. Dieses Jahr steht im Zeichen der Netzwerke, Knoten und Verbindungen.

In der Überzeugung, dass Kunst niemals im luftleeren Raum entsteht, sondern immer ein synergetischer Prozess aus unzähligen Einflüssen, Momenten der inspiration und Anknüpfungen an Bestehendes und Nicht-Eigenes ist, widmen wir die diesjährigen Klangmanifeste dem Thema der Knotenpunkte in der Klangkunst: den flüchtigen und festen Verbindungen und deren Manifes- tationen – zwischen Mensch und Mensch, zwischen Mensch und Material, zwischen Mensch und Maschine…

Wir fokussieren dabei einerseits auf zwischenmenschliche Kollaborationen in der Klangkunst: die Möglichkeiten und Bereicherungen, aber auch die Herausforderungen und das Konflikt- potential, das mit unterschiedlichen Herangehensweisen einhergeht, und wie dieses von den Künstler*innen kreativ genützt und transformiert wird. Parallel dazu zeigen wir Arbeiten, die aus der Kooperation zwischen Mensch und Maschine, u.a. mit machine learning Techniken hervorgehen. Neuronale Netze werden aktuell auch in der Klangkunst zunehmend präsenter – wir befragen ihre Rolle bei der Klangerzeugung, live-Performance sowie ihre Inszenierung als Form einer algorithmischen Ko-Autorschaft offen und kritisch.

Mit einem Open Call für das Performance-Programm haben wir internationale Künstler*innen und Kollektive dazu eingeladen, ihre Position zum Thema Knotenpunkte einzureichen. Es gab zahl- reiche Einreichungen: Von musikalischer Kommunikation mit biologischen, nicht-menschlichen Netzwerken über mulitmodale interdisziplinäre Kollaborationen bis zu Performances mit neu- ronalen Netzen und digitalen Doppelgänger*innen. Wir wählten 5 Positionen aus, die für uns das Thema am spannendsten repräsentieren und auch dem Motto der Klangmanifeste „Zwischen Schwingung und Materie” entsprechen.

Im Open Call für den Ausstellungsteil luden wir Künstler*innen ein, eine Arbeit mit mindestens einem „offenen Verbindungsstück“ vorzuschlagen – sei es musikalisch, inhaltlich oder skulptural – an das von Mit-Ausstellenden angeknüpft werden kann. Aus den eingereichten Arbeiten wählten wir 6 Positionen, die uns jede für sich künstlerisch besonders interessant schien und die sich inhaltlich, formal und akustisch ideal miteinander verknüpfen lassen. Die Ausstellung wird so zu einem situativen Netzwerk, das die gezeigten, ursprünglich eigenständigen Arbeiten durch die Verknüpfungen untereinander kontextuell und klanglich neu positioniert.

https://www.klangmanifeste.at/

 

 

 

PERFORMANCES:

The Small & the Many | Klaus Erika Dietl, Stephanie Müller & Mucho Pitchu Musikalische Performance von 3 Künstler*innen und einem Bienenvolk: In der Performance kommunizieren Klaus Erika Dietl und Stephanie Müller vor Ort über die Distanz hinweg musikalisch mit einer Bienenkolonie und dem Imker Mucho Pitchu. Rhythmen und Stimmungen der Kolonie fließen in die Musik ein. Die beiden Performer*innen im echoraum spielen Imkerwerkzeuge als Musikinstrumente zu den „Bio-Sounds” der Bienen und Mucho Pitchus Arbeitsgeräuschen am Volk.
www.hoelle.media

Rundfunkorchestra: Margarethe Maierhofer-Lischka, Konrad Behr, Max Arsava & Leon Goltermann
Bei Ihrem Auftritt übertragen die Musiker*innen ihren Sound mittels des selbst entwickelten Gerätes „Funkstern Plus“ live über UKW auf Radiogeräte im Konzertraum, oft aber auch zu angeschlossenen lokalen Radiosendern. In dem experimentellen Session-Aufbau lädt das Performancekollektiv das Publikum zu einer Improvisation ein. Diverse Musikinstrumente und Geräuschquellen, Texte und Fieldrecordings werden von dem Orchester gespielt, gesprochen und ausgelöst. Der Funkstern als Zentrum verteilt die Signale auf verschiedene Frequenzen, die von Radios im Raum verteilt wiedergegeben werden und neue akustische Effekte entstehen lassen.
sonicimpulses.org/rundfunkorchester

Digital Doppelgänger | Ivar Roban Križić
In der Performance interagiert der Künstler mit seinem „digitalen Spiegelbild” – einer KI mit improvisatorischem Verhalten, die er über mehrere Jahre mit seinem eigenen Kontrabass-Spiel trainiert hat. Er befragt unser Verständnis von freier Improvisation, indem eine ko-kreative Software zum kollaborativen Gegenüber wird. Die Sounds der KI sind in ein eigenes Instrument mit Kontakt-Lautsprechern und einem mutierte projizierten Bild des Künstlers eingebettet.

Dirty spaces – Entangling | Thomas Grill & Ivar Roban Križić
Die Performance „Entangling“ arbeitet mit akustischen Feedbacks und mittels eines AI-Widerparts, der sich aus konkretem Klangmaterial aus Field recordings speist. Die Domänen durchdringen einander und verschränken den Raum der Aufführung und die externen Räume, aus denen die Field Recordings stammen. Die AI-Komponente ist ein samplebasierter Synthesizer, der zuhört und sich einbringt, bisweilen imitierend, bisweilen kontrastierend, oder auch disruptiv. Aus dem Wechselspiel entsteht ein komplexes Netzwerk aus klanglich-inhaltlichen Assoziatio-nen, das während der Performance mit und gegen den AI-Gegenspieler entwickelt wird. grrrr.org
This research was funded in whole or in part by the Austrian Science Fund (FWF) [Grant DOI: 10.55776/AR821].

The Sound of Paella | Oliver Deutsch, Ulla Rauter & Stefan Voglsinger
Kochen als kollektive Sound Performance: Das Kochen einer Paella wird mithilfe von Mikrofonen und elektronischen Effektgeräten verstärkt und musikalisch interpretiert. Im Labor „The Making of the Sound of Paella” werden die Instrumente, Mikrofone, elektronischen Schaltungen und Effekte in einer offenen Working-Session gemeinsam gebaut, getestet und geprobt. Bei der anschließenden abendlichen Konzert-Performance wird die Paella zubereitet und die Live-Vertonung davon als Sound-Performance auf die Bühne gebracht.
Konzept: Oliver Deutsch, Vertonung: Ulla Rauter & Stefan Voglsinger
ullarauter.com, voglsinger.klingt.org

 

AUSSTELLUNG:

Seismic Topologies: walking on a long thin layer | Pablo Torres Gómez
Eine durch den Raum gespannte Saite schwingt hörbar als Echtzeit-Seismograph im echoraum. Die seismographischen Daten modulieren Frequenz und Amplitude des Tones. Inspiriert von Alvin Lucier’s „Music on a Long Thin Wire” befasst sich die Arbeit mit Umwelteinflüssen und ortsspezifischen Bedingungen als integrale Bestandteile der Klanginstallation.
pablotorresgomez.net

Become an Expression | Marina Poleukhina
Die Installation ist eine objekthafte Partitur und wird in Interaktion mit dem Publikum zum Musikstück. Verschiedene Objekte auf einer Platte können von den Besucher*innen in bestimmter Reihenfolge berührt werden. Über Kopfhörer werden die Klangergebnisse in ihrer Abfolge als Musikstück wahrgenommen, das wiederum von den Empfindungen der Spielenden geprägt und beeinflusst wird.

Die Seelen der Dinge | Alexander Till & Thomas Nagl
Stroboskopisch werden audiovisuelle und taktile Qualitäten von Pflanzen durch Anregung ihrer Resonanzfrequenzen untersucht. Die Synchronisation von Licht und Klang bittet das Nichtmenschliche zum Tanz.
alexandertill.at

Singende Saiten – poor montage | Ralf Schreiber
Mehrere Monochorde aus dünnen Kiefernholzstäben und gespannten Klaviersaiten bilden eine ungeordnete Raumstruktur. Elektronische Schaltungen regen die Saiten zum selbständigen Spiel an. Dabei werden kleinste Saitenschwingungen verstärkt und zu lang anhaltenden Drones verdichtet. Einige Saiten sind zusätzlich mit leichten Materialien präpariert, wodurch der Tonumfang um geräuschhafte Klänge erweitert wird. ralfschreiber.com/

The Small & The Many | Klaus Erika Dietl, Mucho Pitchu und Stephanie Müller
Ein vielfach intern mikrofoniertes Bienenvolk befindet sich auf einem Einöd-Bauernhof im oberbayerischen Großhub. Von dort aus übertragen die Künstler*innen rund um die Uhr die Live-Klänge in den Echoraum. Dort steht ein Bienenkasten mit den abgelegten Waben des Volkes vom Vorjahr. Geruch und Klang – die Kommunikationsformen der Tiere – werden in Form eines mit Lautsprechern bestückten Bienenstockes, in den die Besucher*innen den Kopf stecken, erfahrbar gemacht.
www.hoelle.media

Funkstern plus | Rundfunkorchestra
Der „Funkstern plus” ist Musikinstrument, lebendes Audioarchiv und Nahfeld-Radiosender. Er enthält ein Audiomischpult für bis zu 7 Inputs, das auf unterschiedlichen Radio-Frequenzen sendet. Er verkörpert alle Eigenschaften eines Klangkollektivs – kollaborativ, experimentell, bewahrend und sendend.
sonicimpulses.org/rundfunkorchester

 

WORKSHOPS & TALKS:

Singende Seismographen Workshop | Ralf Schreiber & Pablo Torres Gómez
In dem Workshop können Besucher*innen ihre eigenen musikalischen DIY-Seismographen bauen: Die selbstgebauten Monochorde von Ralf Schreiber werden von Pablo Torres Gómez mit seismographischen Fähigkeiten ausgestattet. Gemeinsam mit den Künstlern bauen die Workshop-Teilnehmer*innen klingende Objekte, die auf Erd- und Umweltvibrationen reagieren, indem sie mit speziellen Frequenzen schwingen.
Anmeldung unter: 

The Making of the Sound of Paella Labor | Oliver Deutsch, Ulla Rauter & Stefan Voglsinger
Im Labor „The Making of the Sound of Paella” werden Instrumente und Techniken für das Vertonen eines Kochprozesses experimentell vorgestellt, getestet und zu einem musikalischen Set-up zusammengestellt. Mit Kontaktmikrofonen auf Schneidbrettern, Richtmikrofonen in Pfannen und Temperatursensoren über Töpfen gehen wir der Paella akustisch und musikalisch auf den Grund. Die Teilnehmer*innen erfahren gleichermaßen etwas über technisch-akustische Grundlagen wie über die professionelle Zubereitung einer Paella.

KI und Pataphysik – Art & Philosophy Speed Dating & Lecture Performances | Artemi-Maria Gioti & Peter Brandlmayr
Die Art & Philosophy Lecture Performances zum Thema AI & Pataphysik führen die auf den ersten Blick unterschiedlichen Konzepte zusammen, um interessante Verbindungen und Parallelen zu erkunden und dabei ihr Potential und ihre Rolle in kreativen Prozessen zu beleuchten. Das anschließende Art & Philosophy Speed Dating lädt als experimentelles neues Format (als Alternative zu unserem jährlichen Talk) heuer dazu ein, Expert*innen aus Kunst und Wissenschaft zum Thema Netzwerke und Knotenpunkte in kurzen, informellen One-to-one Gesprächen individuelle Fragen zu stellen.