{"id":319,"date":"2021-11-20T16:00:02","date_gmt":"2021-11-20T15:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.echoraum.at\/site\/?p=319"},"modified":"2022-01-17T00:56:17","modified_gmt":"2022-01-16T23:56:17","slug":"100-jahre-anestis-logothetis-aus-der-reihe-in-der-reihe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echoraum.at\/site\/100-jahre-anestis-logothetis-aus-der-reihe-in-der-reihe\/","title":{"rendered":"100 Jahre Anestis Logothetis: aus der Reihe, in der Reihe"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen des Jahresschwerpunkts 2021 <a href=\"https:\/\/echoraum.at\/site\/generationenwechsel\/\">Generationenwechsel<\/a><\/p>\n<p>Produktion echoraum und <a href=\"https:\/\/www.wienmodern.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wien Modern<\/a><\/p>\n<p><strong>Christos Marantos<\/strong>: Klavier<br \/>\n<strong>Pneuma + Manu Mayr<\/strong>:<br \/>\n<strong>Christine Gnigler<\/strong>: Blockfl\u00f6te \u00b7 <strong>Bernhard H\u00f6chtel<\/strong>: Klavier \u00b7 <strong>Jakob Gnigler<\/strong>: Saxophon \u00b7 <strong>Robert Pockfu\u00df<\/strong>: E-Gitarre \u00b7 <strong>Manu Mayr<\/strong>: Bass<\/p>\n<p><strong>Leonie Spitzer<\/strong>: <em>Iss nicht vom Baum kenne dich selbst<\/em> (Raum-Installation)<br \/>\n<strong>Serafin Spitzer<\/strong>: <em>Marin Alsop x Schtum x Serafin Spitzer<\/em> (Kurzfilm 5&#8242;)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-322 aligncenter\" src=\"https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/christos_anfang.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/christos_anfang.jpg 700w, https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/christos_anfang-300x300.jpg 300w, https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/christos_anfang-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p><strong>Christos Marantos<\/strong><\/p>\n<p>Anestis Logothetis hat die ersten Versuche, \u201edas Notenbild zu entlasten und Kompositionen in neuartiger Notierung\u201c ab Mai 1959 unternommen \u2013 seine Kompositionen in \u201egraphischer Notation\u201c, ein Begriff von A. Logothetis zum ersten Mal gepr\u00e4gt, beginnend ab 1960. Dieser wagemutige Schritt, seine Schrift als Komponist zu \u00e4ndern, ist das Ergebnis eines l\u00e4ngeren Prozesses sch\u00f6pferischer Unruhe. Die Suche und der \u00dcbergang des Komponisten zur neuen Phase seines Werks spiegeln sich musikalisch in den von Christos Marantos uraufgef\u00fchrten drei letzten Solo-Klavierwerken des Programms wider.<\/p>\n<p>PROGRAMM:<br \/>\nTriptychon (1953)<br \/>\nTexturen (1957)<br \/>\nIntegration (1959)<\/p>\n<p><strong>Christos Marantos<\/strong> wurde in Athen geboren und lebt in Wien. Er absolvierte sein Studium im Konzertfach Klavier am Konservatorium in Athen und sowohl das Bachelor \u2013 als auch das Masterstudium der Klavierp\u00e4dagogik an der Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien mit Auszeichnung. Er war Stipendiat der Stiftung \u201eTokyo Foundation\u201c und nahm an Masterclasses u.a. mit Bruno Canino, Paul Badura \u2013 Skoda, Alexander Jenner und Georges Pludermacher teil. 13 Jahre lang, bis 2019, konzertierte Christos Marantos in der Klavierduo- Formation mit Harald Ossberger in Europa und Asien. Es entstand eine CD mit Werken von Schumann f\u00fcr Klavier zu vier H\u00e4nden bei der Firma Gramola. In ihren Programmen haben sie mehrere Urauff\u00fchrungen von Werken \u00f6sterreichischer Komponisten, u.a. H. Lauermann und R. Staar, pr\u00e4sentiert. Die Zusammenarbeit von Christos Marantos umfasst au\u00dferdem\u00a0 Auftritte mit dem Ensemble f\u00fcr Neue Musik exxj (Ensemble XX. Jahrhundert Wien) und den Geigern Mario Hossen, Erich Schagerl und Christian Altenburger. Marantos wird regelm\u00e4\u00dfig zu Klavier \u2013 Masterclasses in China, an der Anton Bruckner Privatuniversit\u00e4t Linz, der Universit\u00e4t Gustav Mahler Klagenfurt, der Akademie der K\u00fcnste Aswara Kuala Lumpur und am Music College der Mahidol \u2013 Universit\u00e4t in Thailand eingeladen. Christos ist ein K\u00fcnstler mit hohen humanit\u00e4ren Anliegen. Deshalb hat er bereits mehrere Veranstaltungen zu aktuellen Problemen der Gesellschaft initiiert und kuratiert, wie das Filmfestival \u201eViennAthens\u201c (Filmarchiv \u00d6sterreich 2019), ein kulturelles Projekt, das zwei europ\u00e4ische Hauptst\u00e4dte verbindet indem es Umweltzerst\u00f6rung und Migration thematisiert. Seit 2009 lehrt Christos Marantos Klavier an der J.S. Bach Musikschule Diakonie Bildung Wien und wurde 2021 zum \u201eB\u00f6sendorfer Artist\u201c ernannt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-321\" src=\"https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/pneuma.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/pneuma.jpg 900w, https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/pneuma-300x200.jpg 300w, https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/pneuma-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/p>\n<p><strong>Pneuma + Manu Mayr<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pneuma <\/strong> hat sich ganz der zeitgen\u00f6ssischen komponierten, als auch improvisierten Musik verschrieben. Das ist soweit nichts Ungew\u00f6hnliches. Ungew\u00f6hnlich ist aber die Besetzung: Blockfl\u00f6te und Saxophon, E-Gitarre samt Effektger\u00e4te-Armada und ein Fl\u00fcgel. Ungew\u00f6hnlich, und dabei viel entscheidender als die Instrumentation, ist die Herangehensweise der Musiker*innen: Gro\u00dfteils von der Improvisationsmusik kommend, k\u00fcmmern sie sich sehr um die Gleichverteilung von individueller Umsetzung und kompositorischer Vorgabe. Die St\u00fccke, allesamt f\u00fcr das Ensemble und somit den MusikernInnen auf den Leib komponiert, sind zwischen rhythmischer Akrobatik und akribischer Klangforschung angesiedelt, zwischen wohlwollendem Perfektionismus und latent provokantem Nonkonformismus. (Text: Jakob Gnigler)<\/p>\n<p>PROGRAMM:<br \/>\nRondeau Dynamique, 1967, UA 17.5.1969 Linz<br \/>\nMeditation, 1961, UA 13.2.1962 Wien, Galerie im Griechenbeisl<br \/>\nM\u00e4andros, 1963, UA 3.10.1965 Berlin<br \/>\nReflexe I+II, 1960<\/p>\n<p>Die AKM w\u00fcrde die Kompositionen Logothetis wohl als \u201eSonderfall\u201c einstufen. Also als Kompositionen, von denen man nicht wirklich sagen kann, ob sie gut oder schlecht, genial oder banal, erw\u00e4hnenswert, bemerkenswert, konservatoriumsgeeignet, beachtenswert etc. seien. Bei den meisten Kompositionen l\u00e4sst sich das ja ganz klar bestimmen. Nun, bei solch einem Umgang mit Partituren k\u00f6nnen die Emotionen schon mal hochgehen. Und tats\u00e4chlich waren die Emotionen bzw. die Emotionslosigkeit der traditionellen, verwertungsf\u00e4higen Notation Ankerpunkte in den gr\u00fcndlichen und weitereichenden \u00dcberlegungen Logothetis. In einer Zeit, in der die traditionelle Notation bereits an ihrem Limit angelangt war (ist) und sich Erfindungen neuer Klangmaschinen \u00fcberschlugen (\u00fcberschlagen), die hoch-kulturellen Institutionen aber dennoch stark mit Konservieren und Beh\u00fcten besch\u00e4ftigt waren (sind), war (ist) es umso wichtiger, dass einige kluge K\u00f6pfe den Mut und Spa\u00df daran hatten (haben), ihre Ideen trotz Gegenwind umzusetzen.<\/p>\n<p>M\u00f6ge die Kunst in Frage gestellt werden!<\/p>\n<p>Als Benutzer*innen der ans Limit geratenen, verwertungsf\u00e4higen Notation wagen wir von Pneuma uns an die \u00dcbertragung einiger anastatischen (nach dem anscheinend nicht begeisterten Adorno) Kompositionen. H\u00f6ren Sie nun, wie es uns dabei ergangen ist; ob wir den logothetischen Neudrucken Leben einhauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir haben Partituren ausgew\u00e4hlt, die sich in ihrer Kompositionsstilistik unterscheiden. \u201eMeditation\u201c kann als Gem\u00e4lde eigenst\u00e4ndig auch au\u00dferhalb eines musikalischen Kontexts betrachtet werden. \u201eM\u00e4andros\u201c hingegen ist sehr genau \u201eausnotiert\u201c. In den wie Kritzeleien erscheinenden und m\u00f6glicherweise assoziativ interpretierbaren Zeichnungen lassen sich sehr detaillierte Informationen herauslesen. Zudem gibt es einen genauen zeitlichen Ablauf. \u201eReflexe I+II\u201c und \u201eRondeau Dynamique\u201c k\u00f6nnen als Hybride bezeichnet werden. Einerseits k\u00f6nnen sie wie \u201eMeditation\u201c als visuelle Kunstwerke betrachtet werden, andererseits sind in allen Strichen und Punkten musikalische Informationen enthalten. (Text: Pneuma\/Jakob Gnigler)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-324\" src=\"https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/leonie.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/leonie.jpg 700w, https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/leonie-300x300.jpg 300w, https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/leonie-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p><strong>Leonie Spitzer<\/strong><\/p>\n<p>Meine Kritik an der Darstellung des Architekturplans ist, dass er die Seite des Lebendigen in R\u00e4umen, also visuellen, formalen und akustischen Wahrnehmbarkeiten von r\u00e4umlichen Verh\u00e4ltnissen, kurz dessen was wir darin leben, arbeiten und interagieren, aus dem Fokus l\u00e4sst. Gerne h\u00e4tte ich mich mit meinem Gro\u00dfvater Anestis Logothetis als Innenarchitektin und K\u00fcnstlerin \u00fcber die Darstellungsformen von Musik und Architektur \u2013 zu der er in seiner Partitur <em>Dynapolis<\/em> Stellung bezog \u2013 unterhalten. Anl\u00e4sslich seines 100. Geburtstags imaginiere ich im echoraum ein Gespr\u00e4ch, ein r\u00e4umliches und klangliches Experiment, das die Zeit und den Raum \u00fcber seine Musik zusammenf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Leonie Spitzer studierte visuelle Kunst und Theaterwissenschaften an der IUAV in Venedig und schloss mit Auszeichnung ab (Thesis \u00fcber <em>Margarete Sch\u00fctte-Lihotzky, soziale Architektur und Innenarchitektur<\/em>). Ihre Videoarbeit<em> Interculturalism: Did you ever think what language to use if you met Dante in Hell?<\/em> des Final Art Lab, geleitet von Professor und Kurator Nicolas Bourriaud wurde 2008 im Magazzini del Sale, in Venedig ausgestellt.<br \/>\nIn London studierte sie Interior Design am Chelsea College of Art and Design. Seit ihrer R\u00fcckkehr nach Wien 2013 gestaltet Leonie Spitzer als Innenarchitektin stadtbekannte Interieurs wie das Bistro das Liebling, das Kleidergesch\u00e4ft useabrand und Burggasse 24 sowie die Bildwerkstatt Herr Leutner.<br \/>\nIn ihren k\u00fcnstlerischen Arbeiten besch\u00e4ftigt sie sich mit der Interdependenz von Mensch und Raum: 2020, <em>In DisTANZ \u2013 der Abstand in dem Interaktion stattfand<\/em>, Video. 2019, <em>Records on uncharted Terrain<\/em>, Video.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-323\" src=\"https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/schtumximmerse.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/schtumximmerse.jpg 900w, https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/schtumximmerse-300x188.jpg 300w, https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/schtumximmerse-768x480.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/p>\n<p><strong>Serafin Spitzer<\/strong><\/p>\n<p>Eine Kollaboration zwischen der Stardirigentin Marin Alsop, dem elektroakustischen Noise-Projekt \u201eSchtum\u201c von Manu Mayr und Robert Pockfu\u00df und dem Kameramann und Enkel von Anestis Logothetis Serafin Spitzer veranschaulicht ein spezifisches, logothetisches, medienphilosophisches Prinzip, in dem nicht mehr auszumachen ist, wer wen anleitet. Die Kamera, Alsops Dirigierbewegungen und die Musik verhalten sich interdependent zueinander \u2013 sie bringen sich gegenseitig hervor, sind einander zugleich vor- und nachgelagert und werden so durch und durch eins.<br \/>\nAuch wenn hier die Gesten Alsops die musikalischen Raumfiguren immer nur andeuten k\u00f6nnen, vermitteln diese die \u201eGestimmtheiten\u201c (Vil\u00e9m Flusser) dieser verzerrten, druckvoll-d\u00fcsteren Gitarrensound-Komposition. Dasselbe hat Logothetis mit grafischen Zeichen bewerkstelligt.<br \/>\nHier geht es um h\u00f6rbare Sichtbarkeit \/ sichtbare H\u00f6rbarkeit, um Kybernetik und das triadische Verh\u00e4ltnis zwischen Interpret, Publikum und Komponist. (Text: Michelle Koch)<\/p>\n<p>Serafin Spitzer, geb. 1986, Kameramann.<br \/>\nMaster mit Auszeichnung an der Wiener Filmakademie, Preis f\u00fcr beste Bildgestaltung Dokumentarfilm f\u00fcr Gwendolyn, Diagonale 2018.<br \/>\nZu seinen Arbeiten z\u00e4hlen u.a. Erdbeerland (2012) Regie: Florian Pochlatko, Lampedusa im Winter (2015) Regie: Jakob Brossmann, Gwendolyn (2017) Regie: Ruth Kaaserer, Nobadi (2019) Regie: Karl Marcovics und B\u00f6se Spiele (2021) Regie: Ulrich Seidl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eintrittspreis: 12\/10\u20ac<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fotos der Veranstaltung (\u00a9 Werner Korn):<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1453\" src=\"https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/b-211120_logothetis_1006_pb202318.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"495\" srcset=\"https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/b-211120_logothetis_1006_pb202318.jpg 660w, https:\/\/echoraum.at\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/b-211120_logothetis_1006_pb202318-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1454\" 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