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Game Over

10. März 2017 Ι 20:00 Uhr

Szilard Benes, Klarinette, Bassklarinette
Christof Ressi, Elektronik, Video

Die menschliche Psyche ist ein Jump'n'Run-Spiel und wir sind die Akteure. Wir suchen den Ausgang aus gefährlichen, rätselhaften, labyrinthischen Situationen und sammeln dabei Münzen, Pilze und Edelsteine. Mal sind wir klein wie Zwerge, mal sind wir unverwundbar. Wir springen hoch und fallen tief. Auf düstere, psychotische Schwarz-Weiß-Episoden folgen knallbunte, exaltierte Pop-Eskapaden. Das Duo Christof Ressi/Szilard Benes verfolgt diese Idee einer Gegenüberstellung von Extremzuständen mit den Mitteln der Musik und Medienkunst. Der instrumentale Klang Bassklarinette geht eine dynamische Verbindung mit Elektronik, Video und Bewegung ein und lässt das Publikum in eine vielschichtige künstlerische Seelenlandschaft eintauchen.

Die beiden Musiker verbindet die Lust an der Grenzüberschreitung. Während Szilard Benes sich auf der ständigen Suche nach der klanglichen Erweiterung seines Instruments befindet und Inspiration aus der Neuen Musik und dem Free Jazz, aber auch aus der Klezmer-Musik schöpft, bastelt Christof Ressi, wenn er nicht gerade komponiert oder arrangiert, an live-elektronischen Setups und Computerprogrammen, die ihm einen spontanen und direkten Umgang mit Klang und Bild ermöglichen. Gemeinsam suchen sie nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten im Aufeinandertreffen unterschiedlicher Medien und vertreten dabei einen möglichst offen Begriff davon, was (noch) Musik sei.

Bei den Stücken handelt es sich meist um audiovisuelle Konzeptimprovisationen, in denen unterschiedliche Formen des musikalischen Zusammenspiels sowie der Interaktion zwischen den Medien Klang, Bild und Gestik im Zentrum stehen. Die Performance "Borderline" etwa ist eine Studie über das expressive Potential psychischer Ausnahmezustände: ein Verharren in fragilen Zuständen, das durch plötzliche, unkontrollierte Ausbrüche gestört wird. Die Bassklarinette tritt in ein Wechselspiel mit dem in Echtzeit gesteuerten Video, das langsam, aber sicher bis in den Exzess getrieben wird. "GIF Hunter" ist eine spielerische Hommage an die Internetkultur. Das visuelle Material liefern animierte GIFs – meist kurze Schnipsel aus Filmen, TV-Serien und anderen Bereichen der Popkultur. Diese werden einerseits von der Bassklarinette live getriggert, geloopt, manipuliert, verfremdet; andererseits bestimmt ihr emotionaler Gehalt die zu spielende Musik, sei es in Form eines ironisierenden Mickeymousings oder bewusster Kontrastbildungen. Die beharrliche Arbeit mit kleinsten Videoausschnitten legt dabei neue, überraschende Bedeutungen offen und sorgt sowohl für poetische als auch grotesk-komische Momente.

Das aktuellste Vorhaben trägt den Arbeitstitel "Game Over" und ist eine Serie von selbst programmierten Computerspielen, die live auf der Bühne durch Körperbewegungen und musikalische Gesten "gespielt" werden. Die Musik wird anhand des Spielgeschehens in Echtzeit generiert, das Gameplay selbst wird wiederum durch die Musik beeinflusst und allmählich immer unberechenbarer – bis zu dem Punkt, wo der Spieler vollständig die Kontrolle verliert und sich gezwungen sieht, den Stecker zu ziehen. "Game Over" ist Teil des GAPPP-Forschungsprojektes am IEM in Graz und wird im Verlauf der nächsten Jahre ständig weiterentwickelt.

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